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Lexikon

Mode

Japanische Mode ist ausgesprochen vielseitig. Zwischen schlichten Büro-Outfits, internationalen Luxusmarken, Vintage-Kleidung und auffälliger Street Fashion existieren zahlreiche Stilrichtungen nebeneinander. Besonders Tokio ist für diese Vielfalt bekannt: Was in Marunouchi selbstverständlich wirkt, würde in Harajuku kaum auffallen – und umgekehrt.

Dabei sollte japanische Mode nicht automatisch mit extravaganten Looks gleichgesetzt werden. Die meisten Menschen kleiden sich im Alltag relativ modern und unkompliziert. Die auffälligen Subkulturen, für die Tokio international bekannt ist, bilden nur einen Teil der tatsächlichen Modewelt.

Alltagsmode


Im Alltag ist japanische Kleidung häufig gepflegt, bewusst kombiniert und eher zurückhaltend. Weite Silhouetten, Layering und gedeckte Farben sind ebenso verbreitet wie femininere oder sportliche Looks. Aktuelle Trends verändern sich schnell und werden stark durch soziale Medien, japanische Models, Musiker, Influencer sowie koreanische und westliche Mode beeinflusst.

Gerade bei jüngeren Menschen sieht man beispielsweise Oversized-Shirts, weite Hosen, lange Röcke, Cardigans, Sneaker, Loafer und auffällige Taschen oder Accessoires.

Ein wichtiger Unterschied zu manchen westlichen Modetrends liegt weniger darin, wie viel Haut gezeigt wird, sondern wo. Kurze Röcke und Shorts sind keineswegs ungewöhnlich, während ein sehr tiefes Dekolleté im normalen Alltag eher stärker auffallen kann.

Shibuya


Shibuya steht für junge, trendbewusste und schnelllebige Mode. Rund um Shibuya 109 und die umliegenden Einkaufsstraßen entstehen und verschwinden Trends teilweise innerhalb kurzer Zeit.

Hier findet man Streetwear ebenso wie feminine Looks, Y2K-Einflüsse, koreanisch inspirierte Mode, Designerstücke und günstige Trendmode.

Auch Gyaru (ギャル) ist eng mit der Geschichte Shibuyas verbunden. Die Subkultur erreichte insbesondere in den 1990er- und 2000er-Jahren große Bekanntheit und umfasste zahlreiche Unterstile. Stark gestylte Haare, auffälliges Make-up, lange Nägel und eine bewusste Abgrenzung von klassischen Schönheitsidealen gehörten zu ihrem Erscheinungsbild.

Gyaru ist heute weniger dominant als damals, aber keineswegs vollständig verschwunden.

Harajuku


Harajuku ist international vermutlich der bekannteste Ort für japanische Street Fashion und alternative Mode. Dabei existiert nicht der eine „Harajuku-Stil“. Der Stadtteil wurde vielmehr zum Treffpunkt verschiedener Subkulturen.

Dazu gehören oder gehörten beispielsweise Lolita, Decora, Punk-, Gothic- und Visual-Kei-inspirierte Looks sowie zahlreiche Mischformen.

Lolita Fashion orientiert sich unter anderem an viktorianischer und Rokoko-Ästhetik. Typisch sind aufwendig gestaltete Kleider und Röcke, Blusen, Petticoats, Kniestrümpfe und Haarschmuck. Innerhalb der Mode existieren wiederum Stilrichtungen wie Sweet Lolita, Gothic Lolita oder Classic Lolita.

Decora setzt dagegen bewusst auf Übertreibung: zahlreiche Haarspangen, bunte Accessoires, Schmuck, Muster und Layering werden miteinander kombiniert.

Solche Looks sind allerdings keine Uniform Harajukus. Wer heute dort unterwegs ist, begegnet ebenso Menschen in Jeans und T-Shirt.

Minimalismus & „Clean“ Fashion


Auf der anderen Seite des Spektrums steht eine sehr reduzierte Mode. Schlichte Schnitte, hochwertige Basics, gedeckte Farben und lockere Silhouetten sind im japanischen Alltag weit verbreitet.

Schwarz, Weiß, Grau, Beige, Braun und dunkles Blau lassen sich leicht kombinieren und passen sowohl in den Alltag als auch in viele berufliche Situationen. Ein Outfit kann dadurch sehr schlicht sein und trotzdem bewusst zusammengestellt wirken.

Japanische Mode spielt dabei häufig mit Silhouetten und Proportionen: weite Hosen zu kurzen Jacken, Oversized-Hemden über langen Röcken oder mehrere leichte Kleidungsstücke übereinander.

Vintage & Secondhand


Secondhand- und Vintage-Mode besitzt insbesondere unter jungen Menschen einen festen Platz. Tokio bietet zahlreiche kleine Vintage-Läden und größere Secondhand-Ketten.

Besonders Shimokitazawa ist für Vintage-Shopping bekannt. Hier findet man amerikanische Vintage-Kleidung, alte Bandshirts, Denim, Lederjacken, Workwear und ungewöhnliche Einzelstücke.

Luxusmode


Tokio ist gleichzeitig eine wichtige Stadt für internationale und japanische Luxusmode. Besonders Ginza, Omotesandō und Aoyama sind für Designerboutiquen und Flagship-Stores bekannt.

Japanische Designer wie Yohji Yamamoto, Rei Kawakubo oder Issey Miyake haben außerdem erheblichen internationalen Einfluss ausgeübt. Experimentelle Schnitte, ungewöhnliche Silhouetten und ein bewusster Umgang mit Form gehören deshalb ebenfalls zur japanischen Modegeschichte.

Luxus muss dabei nicht unbedingt laut wirken. Ein vollkommen schwarzes Outfit kann mehrere tausend Euro kosten, ohne auf den ersten Blick besonders extravagant auszusehen.

Kawaii Fashion


Kawaii (かわいい) bedeutet ungefähr „süß“ oder „niedlich“ und ist weit mehr als nur ein Kleidungsstil. Trotzdem findet sich die Ästhetik auch in der Mode.

Pastellfarben, Schleifen, kleine Taschen, verspielte Prints, Charakter-Motive und niedliche Accessoires können Bestandteil eines Looks sein. Kawaii-Elemente müssen dabei keineswegs ein komplettes Outfit bestimmen. Eine ansonsten schlicht gekleidete Person kann beispielsweise einen niedlichen Anhänger an ihrer Tasche tragen.

Jirai Kei & Ryousangata


Unter jüngeren Frauen haben sich außerdem Stile wie Jirai Kei (地雷系) und Ryousangata (量産型) etabliert.

Jirai Kei kombiniert häufig Schwarz mit Rosa, Spitze, Schleifen, Plateauschuhe und ein charakteristisches Make-up. Der Stil besitzt Verbindungen zu bestimmten Online- und Subkulturen, weshalb er nicht ausschließlich über seine Kleidung definiert werden sollte.

Ryousangata ist meist heller und ausgesprochen feminin: kurze Röcke, Blusen, Schleifen, Beige-, Weiß- und Rosatöne sowie sorgfältig gestylte Haare sind typisch. Der Look ist unter anderem mit Idol- und Fankultur verbunden.

Männer-Mode


Auch bei Männern reicht das Spektrum von sehr schlichter Kleidung bis zu experimenteller Streetwear. Weite Hosen, Oversized-Oberteile, Sneaker, Workwear, Vintage und Layering sind verbreitet.

Modebewusste Männer können großen Wert auf Frisur, Accessoires, Taschen und Hautpflege legen, ohne dass dies gesellschaftlich automatisch ungewöhnlich wirkt. Gerade in Tokio existiert eine große Auswahl an Herrenmode von minimalistischen Basics bis zu Avantgarde-Designern.

Business-Kleidung


Im Berufsleben hängt die Kleidung stark von Branche und Unternehmen ab. In klassischen Unternehmen sind Anzug, Hemd und zurückhaltende Farben weiterhin verbreitet. Frauen tragen beispielsweise Blusen mit Röcken oder Stoffhosen, Kleider oder Business-Anzüge.

In kreativen Unternehmen, Start-ups, der Unterhaltungsbranche oder der Tech-Szene können die Regeln deutlich lockerer sein.

Eine Besonderheit ist das japanische Recruit Suit. Junge Menschen tragen bei Bewerbungen häufig sehr ähnliche dunkle Anzüge mit weißen Hemden beziehungsweise Blusen und zurückhaltenden Accessoires. Dadurch soll ein seriöser und professioneller erster Eindruck entstehen.

Schuluniformen


Viele japanische Mittel- und Oberschulen besitzen Schuluniformen. Bekannt sind sowohl der traditionelle Sailor Fuku als auch modernere Uniformen mit Blazer, Hemd, Rock oder Hose und Krawatte beziehungsweise Schleife.

Welche Kleidung tatsächlich vorgeschrieben ist, unterscheidet sich jedoch von Schule zu Schule. Manche Schulen besitzen strenge Regeln zu Haarfarbe, Schmuck, Make-up und Accessoires, während andere wesentlich lockerer damit umgehen.

Kimono & traditionelle Kleidung


Der Kimono (着物) gehört zwar zur japanischen Kultur, ist aber keine gewöhnliche Alltagskleidung der meisten Menschen. Er wird heute vor allem zu besonderen Gelegenheiten getragen.

Dazu gehören beispielsweise Hochzeiten, Abschlussfeiern, traditionelle Veranstaltungen oder bestimmte Familienfeiern.

Im Sommer sieht man außerdem Yukata (浴衣), besonders bei Feuerwerksfesten und Matsuri. Yukata sind leichter und weniger formell als viele Kimono.

Eine junge Frau in Tokio läuft also nicht jeden Dienstag im Kimono zur Universität – bei einem großen Feuerwerksfestival kann sie dagegen selbstverständlich mit Freunden im Yukata erscheinen.

Tattoos & Piercings


Tattoos besitzen in Japan noch immer eine etwas andere gesellschaftliche Stellung als in vielen westlichen Ländern. Historisch besteht insbesondere bei großflächigen Tätowierungen eine Verbindung zur Yakuza, weshalb Tattoos in manchen Onsen, Schwimmbädern, Fitnessstudios oder anderen Einrichtungen problematisch sein können.

Die Einstellung verändert sich jedoch, insbesondere bei jüngeren Generationen. Kleine Tattoos und Piercings sind in Mode- und Subkulturen nichts Außergewöhnliches.

Im Berufsleben können sichtbare Tattoos trotzdem unerwünscht sein und werden gegebenenfalls bedeckt.