Bildung
Grundsätzlich folgt die Schulbildung häufig einem 6–3–3–4-System:
6 Jahre Grundschule
3 Jahre Mittelschule
3 Jahre Oberschule
4 Jahre Universität
Die ersten neun Schuljahre – Grundschule und Mittelschule – bilden die gesetzliche Schulpflicht.
Noch vor Beginn der eigentlichen Schulpflicht besuchen viele Kinder eine Betreuungseinrichtung.
Dabei gibt es verschiedene Formen.
Yōchien (幼稚園) entsprechen ungefähr einem Kindergarten beziehungsweise einer Vorschule und besitzen einen stärkeren Bildungscharakter.
Hoikuen (保育園) dienen stärker der Betreuung von Kindern, insbesondere wenn die Eltern berufstätig sind.
Daneben existieren Einrichtungen, die Elemente beider Systeme miteinander
verbinden.
Kinder lernen dort bereits wichtige soziale Regeln und gewöhnen sich an den Alltag innerhalb einer Gruppe. Die eigentliche Schulpflicht beginnt jedoch erst mit der Grundschule.
Shōgakkō – 小学校
Alter: ungefähr 6 bis 12 Jahre
Dauer: 6 Jahre
Die Grundschule bildet die ersten sechs Jahre der Schulpflicht.
Unterrichtet werden unter anderem: Japanisch, Mathematik, Sach- und Naturwissenschaften, Sozialkunde, Musik, Kunst und Werken, Sport, moralische Bildung, Fremdsprachen beziehungsweise Fremdsprachenaktivitäten
Neben dem eigentlichen Unterricht wird großer Wert auf gemeinschaftliches Verhalten und Selbstständigkeit gelegt. Kinder übernehmen deshalb bereits früh Aufgaben innerhalb ihrer Klasse.
Chūgakkō – 中学校
Alter: ungefähr 12 bis 15 Jahre
Dauer: 3 Jahre
Nach der Grundschule besuchen Schüler drei Jahre lang die Mittelschule.
Damit endet anschließend die gesetzliche Schulpflicht. Der Unterricht wird nun stärker nach einzelnen Fachbereichen organisiert. Neben Japanisch, Mathematik, Naturwissenschaften und Sozialkunde spielt auch Englisch eine wichtige Rolle.
Viele Jugendliche beginnen spätestens in dieser Zeit außerdem intensiv an einem Schulclub teilzunehmen. Obwohl die Schulpflicht nach der Mittelschule endet, besucht die überwiegende Mehrheit anschließend eine Oberschule.
Kōtōgakkō / Kōkō – 高等学校 / 高校
Alter: ungefähr 15 bis 18 Jahre
Dauer: gewöhnlich 3 Jahre
Die japanische Oberschule entspricht nicht exakt einem einzelnen deutschen Schultyp. Der Besuch ist freiwillig, für die meisten Jugendlichen jedoch der normale Bildungsweg. Es existieren unterschiedliche Ausrichtungen. Allgemeinbildende Schulen bereiten beispielsweise auf Universität und weitere Ausbildung vor, während andere Schulen einen stärkeren Schwerpunkt auf technische, kaufmännische, landwirtschaftliche oder andere berufliche Bereiche legen können.
Der Wechsel auf die Oberschule ist häufig mit einer wichtigen Besonderheit verbunden: Aufnahmeprüfungen.
In Japan besucht man nicht zwangsläufig einfach die nächstgelegene Oberschule.
Schüler können sich gezielt für bestimmte Schulen bewerben. Beliebte oder akademisch anspruchsvolle Schulen verlangen entsprechende Leistungen und Aufnahmeprüfungen. Dadurch beginnt für viele Jugendliche bereits während des letzten Mittelschuljahres eine intensive Vorbereitungsphase. Prüfungsergebnisse, bisherige schulische Leistungen und weitere Kriterien können darüber entscheiden, welche Schule besucht werden kann.
Eine prestigeträchtige Oberschule kann wiederum die Chancen auf eine gute Universität verbessern. Die Realität ist selbstverständlich nicht immer so geradlinig. Trotzdem kann der Bildungsweg erheblichen gesellschaftlichen Druck erzeugen.
Nach einem langen Schultag gehen manche Schüler noch lange nicht nach Hause. Sie besuchen eine Juku (塾). Dabei handelt es sich um private Ergänzungs- und Nachhilfeschulen. Juku können dabei helfen, schulische Leistungen zu verbessern oder gezielt auf Aufnahmeprüfungen vorzubereiten. Gerade vor wichtigen Prüfungen kann der Tagesablauf deshalb ausgesprochen voll werden.
Das japanische Schuljahr beginnt normalerweise im April und endet im darauffolgenden März. Der April besitzt dadurch eine besondere Bedeutung: Kirschblüten, neue Klassen, neue Mitschüler und der Beginn eines neuen Lebensabschnitts fallen ungefähr in dieselbe Jahreszeit. Viele Schulen teilen ihr Jahr in zwei oder drei Abschnitte ein. Dazwischen liegen verschiedene Ferienzeiten.
Die Sommerferien liegen ungefähr zwischen Ende Juli und Ende August, wobei die genauen Termine von Schule und Region abhängen. Sie sind damit meist deutlich kürzer als beispielsweise die langen amerikanischen Sommerferien. Und vollkommen frei sind Schüler während dieser Zeit nicht unbedingt. Hausaufgaben und Projekte für die Ferien sind üblich. Auch Schulclubs können während der Sommerferien weiterhin Training oder Aktivitäten durchführen.
Neben den Sommerferien gibt es unter anderem Winterferien rund um Neujahr und Frühlingsferien zwischen dem Ende eines Schuljahres im März und dem Beginn des nächsten im April. Gerade der Jahreswechsel besitzt in Japan eine große kulturelle Bedeutung. Die Frühlingsferien sind dagegen relativ kurz. Dann beginnt bereits das nächste Schuljahr.
Schuluniformen gehören zu den bekanntesten Merkmalen japanischer Schulen. Besonders an Mittel- und Oberschulen sind sie weit verbreitet. Traditionelle Uniformen umfassen beispielsweise den dunklen Gakuran für Jungen oder den bekannten Sailor Fuku für Mädchen.
Viele moderne Schulen verwenden allerdings inzwischen Uniformen mit Blazern, Hemden, Krawatten oder Schleifen, Hosen, Röcken und Westen. Oft existieren unterschiedliche Varianten für Sommer und Winter. Welche Kleidungsstücke getragen werden dürfen, bestimmt die jeweilige Schule.
Japanische Schulen können teilweise umfangreiche Regeln besitzen. Diese betreffen beispielsweise Kleidung, Schuhe, Schmuck, Make-up, Frisuren, Handynutzung, Pünktlichkeit und Verhalten auf dem Schulgelände. Wie streng diese Regeln tatsächlich durchgesetzt werden, unterscheidet sich erheblich zwischen einzelnen Schulen. Einige Schulen sind ausgesprochen konservativ, während andere ihren Schülern deutlich mehr Freiheiten lassen.
Schüler gehören gewöhnlich einer festen Klasse an. Statt für jedes Fach ständig den Raum zu wechseln, verbringen sie einen großen Teil ihres Tages in ihrem eigenen Klassenzimmer, während verschiedene Lehrer zu ihnen kommen. Für bestimmte Fächer wie Sport, Kunst, Musik oder Naturwissenschaften können spezielle Räume genutzt werden. Eine Klasse besitzt zudem einen zuständigen Klassenlehrer. Dieser übernimmt nicht ausschließlich Unterricht, sondern kann auch organisatorische und soziale Verantwortung für seine Klasse tragen.
Ein wichtiges soziales Konzept innerhalb japanischer Schulen ist die Beziehung zwischen:
Senpai (先輩) – ältere beziehungsweise erfahrenere Schüler
und
Kōhai (後輩) – jüngere beziehungsweise weniger erfahrene Schüler.
Besonders stark kann diese Hierarchie innerhalb von Schulclubs ausgeprägt sein. Jüngere Mitglieder zeigen älteren Mitgliedern Respekt, während von den älteren wiederum Führung und Unterstützung erwartet werden. Wie streng diese Beziehung gelebt wird, hängt stark von Schule, Club und beteiligten Personen ab.
Bukatsu – 部活
Schulclubs besitzen für viele Jugendliche einen wichtigen Stellenwert. Nach dem regulären Unterricht treffen sich Mitglieder für Training, Proben oder andere Aktivitäten.
Sportclubs können beispielsweise sein: Baseball, Fußball, Basketball oder Volleyball. Daneben existieren Kulturclubs wie: Musik, Theater, Kunst oder Kalligrafie.
Manche Clubs treffen sich nur gelegentlich. Andere trainieren beinahe täglich und können einen erheblichen Teil der Freizeit ihrer Mitglieder beanspruchen.
Eine Besonderheit vieler japanischer Schulen ist das Sōji (掃除) – die gemeinsame Reinigung. Schüler reinigen dabei selbst Teile ihrer Schule. Dazu können Klassenzimmer, Flure, Treppen und andere Bereiche gehören. Das bedeutet nicht, dass grundsätzlich keinerlei professionelles Personal existiert. Vielmehr wird die Reinigung als gemeinschaftliche Aufgabe und Bestandteil des schulischen Alltags verstanden. Schüler sollen lernen, Verantwortung für die Räume zu übernehmen, die sie gemeinsam benutzen.
Während des Schuljahres finden regelmäßig Prüfungen statt. Besonders an Mittel- und Oberschulen können Zwischen- und Abschlussprüfungen eine große Bedeutung besitzen. Die schulischen Leistungen werden dokumentiert und können später bei Bewerbungen für weiterführende Schulen relevant sein. Noch größer wird der Druck häufig bei den Aufnahmeprüfungen für Oberschulen und Universitäten.
Nach der Oberschule kann eine Universität besucht werden. Ein reguläres Bachelorstudium dauert in Japan normalerweise vier Jahre. Einige Studiengänge, beispielsweise Medizin, dauern länger. Daneben gibt es kürzere Hochschulformen und beruflich orientierte Ausbildungseinrichtungen. Der Zugang zu angesehenen Universitäten kann sehr konkurrenzorientiert sein. Viele Universitäten führen eigene Aufnahmeverfahren durch beziehungsweise berücksichtigen verschiedene Prüfungs- und Bewerbungswege.
Die Zeit vor den Universitätsprüfungen kann für Schüler besonders belastend sein. Japan besitzt mit dem Common Test for University Admissions eine landesweite Prüfung, deren Ergebnisse von vielen Universitäten im Zulassungsverfahren verwendet werden. Je nach Universität kommen weitere eigene Prüfungen hinzu. Besonders renommierte Universitäten können entsprechend schwer zugänglich sein. Zu den bekanntesten gehört die University of Tokyo, häufig kurz Tōdai genannt. Ein Studienplatz dort besitzt erhebliches Prestige.
Nicht jeder besucht eine Universität. Eine Alternative sind beispielsweise Senmon Gakkō (専門学校) – spezialisierte Berufsschulen beziehungsweise Fachschulen. Dort können sehr unterschiedliche berufliche Qualifikationen erworben werden.
Bereiche reichen beispielsweise von IT, Design, Mode bis hin zu Tourismus. Die japanische Bildungslandschaft besteht daher keineswegs nur aus dem Weg von der Oberschule direkt an eine Universität.
Neben öffentlichen Schulen gibt es zahlreiche private Einrichtungen. Private Mittel- und Oberschulen können eigene pädagogische Konzepte, besondere Schwerpunkte oder einen hohen akademischen Ruf besitzen. Einige Schulen sind direkt mit Universitäten verbunden. Wer eine solche angeschlossene Schule besucht, kann unter bestimmten Voraussetzungen einen leichteren Übergang an die zugehörige Universität haben. Private Schulen verlangen allerdings Schulgebühren und können dadurch eine erhebliche finanzielle Belastung für Familien darstellen.
Gerade in Tokyo existieren zudem internationale Schulen. Dort kann beispielsweise auf Englisch oder nach ausländischen beziehungsweise internationalen Lehrplänen unterrichtet werden. Sie werden häufig von Kindern internationaler Familien besucht, stehen teilweise aber auch japanischen Schülern offen. Die Gebühren können erheblich sein.
Das Bunkasai (文化祭) – Kultur- beziehungsweise Schulfest – gehört zu den bekanntesten Veranstaltungen japanischer Schulen. Klassen und Clubs organisieren beispielsweise Cafés, Theaterstücke, Ausstellungen, Musikauftritte oder Spiele. Die Schule öffnet sich dabei häufig auch für Besucher. Daneben gibt es das Undōkai (運動会) beziehungsweise Taiikusai (体育祭) – das Sportfest. Schüler treten dabei in verschiedenen sportlichen Wettbewerben gegeneinander an. Solche Veranstaltungen dienen nicht nur dem Wettbewerb, sondern auch der Gemeinschaft innerhalb einer Schule.
Das Ende eines Schulabschnitts wird mit einer Abschlusszeremonie – Sotsugyōshiki (卒業式) begangen. Da das Schuljahr im März endet, finden Abschlussfeiern gewöhnlich zu dieser Zeit statt. Nur wenige Wochen später beginnt im April bereits ein neuer Abschnitt.
6 Jahre Grundschule
3 Jahre Mittelschule
3 Jahre Oberschule
4 Jahre Universität
Die ersten neun Schuljahre – Grundschule und Mittelschule – bilden die gesetzliche Schulpflicht.
Kindergarten & Vorschule
Noch vor Beginn der eigentlichen Schulpflicht besuchen viele Kinder eine Betreuungseinrichtung.
Dabei gibt es verschiedene Formen.
Yōchien (幼稚園) entsprechen ungefähr einem Kindergarten beziehungsweise einer Vorschule und besitzen einen stärkeren Bildungscharakter.
Hoikuen (保育園) dienen stärker der Betreuung von Kindern, insbesondere wenn die Eltern berufstätig sind.
Daneben existieren Einrichtungen, die Elemente beider Systeme miteinander
verbinden.
Kinder lernen dort bereits wichtige soziale Regeln und gewöhnen sich an den Alltag innerhalb einer Gruppe. Die eigentliche Schulpflicht beginnt jedoch erst mit der Grundschule.
Grundschule
Shōgakkō – 小学校
Alter: ungefähr 6 bis 12 Jahre
Dauer: 6 Jahre
Die Grundschule bildet die ersten sechs Jahre der Schulpflicht.
Unterrichtet werden unter anderem: Japanisch, Mathematik, Sach- und Naturwissenschaften, Sozialkunde, Musik, Kunst und Werken, Sport, moralische Bildung, Fremdsprachen beziehungsweise Fremdsprachenaktivitäten
Neben dem eigentlichen Unterricht wird großer Wert auf gemeinschaftliches Verhalten und Selbstständigkeit gelegt. Kinder übernehmen deshalb bereits früh Aufgaben innerhalb ihrer Klasse.
Mittelschule
Chūgakkō – 中学校
Alter: ungefähr 12 bis 15 Jahre
Dauer: 3 Jahre
Nach der Grundschule besuchen Schüler drei Jahre lang die Mittelschule.
Damit endet anschließend die gesetzliche Schulpflicht. Der Unterricht wird nun stärker nach einzelnen Fachbereichen organisiert. Neben Japanisch, Mathematik, Naturwissenschaften und Sozialkunde spielt auch Englisch eine wichtige Rolle.
Viele Jugendliche beginnen spätestens in dieser Zeit außerdem intensiv an einem Schulclub teilzunehmen. Obwohl die Schulpflicht nach der Mittelschule endet, besucht die überwiegende Mehrheit anschließend eine Oberschule.
Oberschule
Kōtōgakkō / Kōkō – 高等学校 / 高校
Alter: ungefähr 15 bis 18 Jahre
Dauer: gewöhnlich 3 Jahre
Die japanische Oberschule entspricht nicht exakt einem einzelnen deutschen Schultyp. Der Besuch ist freiwillig, für die meisten Jugendlichen jedoch der normale Bildungsweg. Es existieren unterschiedliche Ausrichtungen. Allgemeinbildende Schulen bereiten beispielsweise auf Universität und weitere Ausbildung vor, während andere Schulen einen stärkeren Schwerpunkt auf technische, kaufmännische, landwirtschaftliche oder andere berufliche Bereiche legen können.
Der Wechsel auf die Oberschule ist häufig mit einer wichtigen Besonderheit verbunden: Aufnahmeprüfungen.
Aufnahmeprüfungen
In Japan besucht man nicht zwangsläufig einfach die nächstgelegene Oberschule.
Schüler können sich gezielt für bestimmte Schulen bewerben. Beliebte oder akademisch anspruchsvolle Schulen verlangen entsprechende Leistungen und Aufnahmeprüfungen. Dadurch beginnt für viele Jugendliche bereits während des letzten Mittelschuljahres eine intensive Vorbereitungsphase. Prüfungsergebnisse, bisherige schulische Leistungen und weitere Kriterien können darüber entscheiden, welche Schule besucht werden kann.
Eine prestigeträchtige Oberschule kann wiederum die Chancen auf eine gute Universität verbessern. Die Realität ist selbstverständlich nicht immer so geradlinig. Trotzdem kann der Bildungsweg erheblichen gesellschaftlichen Druck erzeugen.
Juku – die Schule nach der Schule
Nach einem langen Schultag gehen manche Schüler noch lange nicht nach Hause. Sie besuchen eine Juku (塾). Dabei handelt es sich um private Ergänzungs- und Nachhilfeschulen. Juku können dabei helfen, schulische Leistungen zu verbessern oder gezielt auf Aufnahmeprüfungen vorzubereiten. Gerade vor wichtigen Prüfungen kann der Tagesablauf deshalb ausgesprochen voll werden.
Schuljahr
Das japanische Schuljahr beginnt normalerweise im April und endet im darauffolgenden März. Der April besitzt dadurch eine besondere Bedeutung: Kirschblüten, neue Klassen, neue Mitschüler und der Beginn eines neuen Lebensabschnitts fallen ungefähr in dieselbe Jahreszeit. Viele Schulen teilen ihr Jahr in zwei oder drei Abschnitte ein. Dazwischen liegen verschiedene Ferienzeiten.
Sommerferien
Die Sommerferien liegen ungefähr zwischen Ende Juli und Ende August, wobei die genauen Termine von Schule und Region abhängen. Sie sind damit meist deutlich kürzer als beispielsweise die langen amerikanischen Sommerferien. Und vollkommen frei sind Schüler während dieser Zeit nicht unbedingt. Hausaufgaben und Projekte für die Ferien sind üblich. Auch Schulclubs können während der Sommerferien weiterhin Training oder Aktivitäten durchführen.
Weitere Ferien
Neben den Sommerferien gibt es unter anderem Winterferien rund um Neujahr und Frühlingsferien zwischen dem Ende eines Schuljahres im März und dem Beginn des nächsten im April. Gerade der Jahreswechsel besitzt in Japan eine große kulturelle Bedeutung. Die Frühlingsferien sind dagegen relativ kurz. Dann beginnt bereits das nächste Schuljahr.
Schuluniformen
Schuluniformen gehören zu den bekanntesten Merkmalen japanischer Schulen. Besonders an Mittel- und Oberschulen sind sie weit verbreitet. Traditionelle Uniformen umfassen beispielsweise den dunklen Gakuran für Jungen oder den bekannten Sailor Fuku für Mädchen.
Viele moderne Schulen verwenden allerdings inzwischen Uniformen mit Blazern, Hemden, Krawatten oder Schleifen, Hosen, Röcken und Westen. Oft existieren unterschiedliche Varianten für Sommer und Winter. Welche Kleidungsstücke getragen werden dürfen, bestimmt die jeweilige Schule.
Schulregeln
Japanische Schulen können teilweise umfangreiche Regeln besitzen. Diese betreffen beispielsweise Kleidung, Schuhe, Schmuck, Make-up, Frisuren, Handynutzung, Pünktlichkeit und Verhalten auf dem Schulgelände. Wie streng diese Regeln tatsächlich durchgesetzt werden, unterscheidet sich erheblich zwischen einzelnen Schulen. Einige Schulen sind ausgesprochen konservativ, während andere ihren Schülern deutlich mehr Freiheiten lassen.
Unterricht und Klassen
Schüler gehören gewöhnlich einer festen Klasse an. Statt für jedes Fach ständig den Raum zu wechseln, verbringen sie einen großen Teil ihres Tages in ihrem eigenen Klassenzimmer, während verschiedene Lehrer zu ihnen kommen. Für bestimmte Fächer wie Sport, Kunst, Musik oder Naturwissenschaften können spezielle Räume genutzt werden. Eine Klasse besitzt zudem einen zuständigen Klassenlehrer. Dieser übernimmt nicht ausschließlich Unterricht, sondern kann auch organisatorische und soziale Verantwortung für seine Klasse tragen.
Senpai und Kōhai
Ein wichtiges soziales Konzept innerhalb japanischer Schulen ist die Beziehung zwischen:
Senpai (先輩) – ältere beziehungsweise erfahrenere Schüler
und
Kōhai (後輩) – jüngere beziehungsweise weniger erfahrene Schüler.
Besonders stark kann diese Hierarchie innerhalb von Schulclubs ausgeprägt sein. Jüngere Mitglieder zeigen älteren Mitgliedern Respekt, während von den älteren wiederum Führung und Unterstützung erwartet werden. Wie streng diese Beziehung gelebt wird, hängt stark von Schule, Club und beteiligten Personen ab.
Schulclubs
Bukatsu – 部活
Schulclubs besitzen für viele Jugendliche einen wichtigen Stellenwert. Nach dem regulären Unterricht treffen sich Mitglieder für Training, Proben oder andere Aktivitäten.
Sportclubs können beispielsweise sein: Baseball, Fußball, Basketball oder Volleyball. Daneben existieren Kulturclubs wie: Musik, Theater, Kunst oder Kalligrafie.
Manche Clubs treffen sich nur gelegentlich. Andere trainieren beinahe täglich und können einen erheblichen Teil der Freizeit ihrer Mitglieder beanspruchen.
Schüler reinigen ihre Schule
Eine Besonderheit vieler japanischer Schulen ist das Sōji (掃除) – die gemeinsame Reinigung. Schüler reinigen dabei selbst Teile ihrer Schule. Dazu können Klassenzimmer, Flure, Treppen und andere Bereiche gehören. Das bedeutet nicht, dass grundsätzlich keinerlei professionelles Personal existiert. Vielmehr wird die Reinigung als gemeinschaftliche Aufgabe und Bestandteil des schulischen Alltags verstanden. Schüler sollen lernen, Verantwortung für die Räume zu übernehmen, die sie gemeinsam benutzen.
Prüfungen und Noten
Während des Schuljahres finden regelmäßig Prüfungen statt. Besonders an Mittel- und Oberschulen können Zwischen- und Abschlussprüfungen eine große Bedeutung besitzen. Die schulischen Leistungen werden dokumentiert und können später bei Bewerbungen für weiterführende Schulen relevant sein. Noch größer wird der Druck häufig bei den Aufnahmeprüfungen für Oberschulen und Universitäten.
Universität
Nach der Oberschule kann eine Universität besucht werden. Ein reguläres Bachelorstudium dauert in Japan normalerweise vier Jahre. Einige Studiengänge, beispielsweise Medizin, dauern länger. Daneben gibt es kürzere Hochschulformen und beruflich orientierte Ausbildungseinrichtungen. Der Zugang zu angesehenen Universitäten kann sehr konkurrenzorientiert sein. Viele Universitäten führen eigene Aufnahmeverfahren durch beziehungsweise berücksichtigen verschiedene Prüfungs- und Bewerbungswege.
Universitäre Aufnahmeprüfungen
Die Zeit vor den Universitätsprüfungen kann für Schüler besonders belastend sein. Japan besitzt mit dem Common Test for University Admissions eine landesweite Prüfung, deren Ergebnisse von vielen Universitäten im Zulassungsverfahren verwendet werden. Je nach Universität kommen weitere eigene Prüfungen hinzu. Besonders renommierte Universitäten können entsprechend schwer zugänglich sein. Zu den bekanntesten gehört die University of Tokyo, häufig kurz Tōdai genannt. Ein Studienplatz dort besitzt erhebliches Prestige.
Fachschulen
Nicht jeder besucht eine Universität. Eine Alternative sind beispielsweise Senmon Gakkō (専門学校) – spezialisierte Berufsschulen beziehungsweise Fachschulen. Dort können sehr unterschiedliche berufliche Qualifikationen erworben werden.
Bereiche reichen beispielsweise von IT, Design, Mode bis hin zu Tourismus. Die japanische Bildungslandschaft besteht daher keineswegs nur aus dem Weg von der Oberschule direkt an eine Universität.
Privatschulen
Neben öffentlichen Schulen gibt es zahlreiche private Einrichtungen. Private Mittel- und Oberschulen können eigene pädagogische Konzepte, besondere Schwerpunkte oder einen hohen akademischen Ruf besitzen. Einige Schulen sind direkt mit Universitäten verbunden. Wer eine solche angeschlossene Schule besucht, kann unter bestimmten Voraussetzungen einen leichteren Übergang an die zugehörige Universität haben. Private Schulen verlangen allerdings Schulgebühren und können dadurch eine erhebliche finanzielle Belastung für Familien darstellen.
Internationale Schulen
Gerade in Tokyo existieren zudem internationale Schulen. Dort kann beispielsweise auf Englisch oder nach ausländischen beziehungsweise internationalen Lehrplänen unterrichtet werden. Sie werden häufig von Kindern internationaler Familien besucht, stehen teilweise aber auch japanischen Schülern offen. Die Gebühren können erheblich sein.
Schulfeste
Das Bunkasai (文化祭) – Kultur- beziehungsweise Schulfest – gehört zu den bekanntesten Veranstaltungen japanischer Schulen. Klassen und Clubs organisieren beispielsweise Cafés, Theaterstücke, Ausstellungen, Musikauftritte oder Spiele. Die Schule öffnet sich dabei häufig auch für Besucher. Daneben gibt es das Undōkai (運動会) beziehungsweise Taiikusai (体育祭) – das Sportfest. Schüler treten dabei in verschiedenen sportlichen Wettbewerben gegeneinander an. Solche Veranstaltungen dienen nicht nur dem Wettbewerb, sondern auch der Gemeinschaft innerhalb einer Schule.
Abschluss
Das Ende eines Schulabschnitts wird mit einer Abschlusszeremonie – Sotsugyōshiki (卒業式) begangen. Da das Schuljahr im März endet, finden Abschlussfeiern gewöhnlich zu dieser Zeit statt. Nur wenige Wochen später beginnt im April bereits ein neuer Abschnitt.