Yakuza
Kaum ein Teil der japanischen Unterwelt ist außerhalb des Landes so bekannt wie die Yakuza. In Japan selbst verwenden Polizei und Behörden vor allem den Begriff Bōryokudan (暴力団) für entsprechende organisierte kriminelle Gruppen. „Yakuza“ ist dagegen der international bekannte und umgangssprachliche Begriff.
Heute stehen diese Organisationen unter starkem staatlichem und gesellschaftlichem Druck. Ihre Mitgliederzahlen sind über Jahrzehnte erheblich zurückgegangen und klassische Yakuza-Gruppen konkurrieren zunehmend mit weniger streng organisierten kriminellen Netzwerken.
Die Yakuza ist keine einzelne große Organisation mit einem gemeinsamen Anführer. Stattdessen existieren verschiedene voneinander unabhängige Syndikate und deren zahlreiche Unterorganisationen.
Zu den bekannten großen Gruppierungen gehören beispielsweise die Yamaguchi-gumi, Sumiyoshi-kai und Inagawa-kai. Gerade letztere beide besitzen traditionell starke Verbindungen in den Großraum Tokyo.
Innerhalb eines großen Syndikats können wiederum zahlreiche kleinere Gruppen existieren. Eine Person, die zur Yakuza gehört, ist deshalb normalerweise nicht einfach nur „Mitglied der Yakuza“, sondern gehört einer konkreten Organisation beziehungsweise einer ihrer Untergruppen an.
Diese Gruppen können miteinander kooperieren, Geschäfte untereinander vereinbaren oder miteinander konkurrieren.
Traditionelle Yakuza-Strukturen orientieren sich stark an familiären Beziehungen, müssen jedoch biologisch keine sein.
Besonders wichtig ist dabei das Prinzip von:
Oyabun (親分) – sinngemäß die Eltern- beziehungsweise Vaterfigur
Kobun (子分) – sinngemäß das Kind beziehungsweise der Untergebene
Zwischen beiden besteht eine hierarchische Beziehung. Der Kobun schuldet seinem Vorgesetzten Loyalität und Gehorsam, während vom Oyabun wiederum Schutz und Führung erwartet werden. Dadurch entsteht eine künstliche Familie.
Mitglieder können sich untereinander als Brüder verstehen, während ranghöhere Personen symbolisch die Rolle älterer Familienmitglieder übernehmen.
Diese Vorstellung sollte jedoch nicht romantisiert werden: Es handelt sich weiterhin um eine kriminelle Hierarchie. Loyalität entsteht nicht ausschließlich aus Freundschaft oder Zuneigung, sondern ebenso aus Macht, Abhängigkeit und gegenseitigem Nutzen.
Nicht jede Organisation verwendet exakt dieselben Titel oder besitzt denselben Aufbau.
Der Kumichō (組長) steht an der Spitze einer Organisation. Er entscheidet über wichtige Geschäfte, Beziehungen zu anderen Gruppen und die grundsätzliche Ausrichtung seiner Organisation.
Dabei muss er keineswegs selbst jeden Auftrag erteilen oder persönlich an illegalen Geschäften teilnehmen. Je größer eine Organisation ist, desto mehr Ebenen können zwischen ihrer Führung und den gewöhnlichen Mitgliedern liegen.
Der Wakagashira (若頭) gehört zu den wichtigsten Personen unmittelbar unterhalb des Oberhauptes und kann vereinfacht als eine Art Stellvertreter betrachtet werden. Er übernimmt einen großen Teil der praktischen Führung und koordiniert untergeordnete Mitglieder und Gruppen.
Eine weitere ranghohe Position kann der Shateigashira (舎弟頭) darstellen, der innerhalb bestimmter Organisationsstrukturen für andere hochrangige beziehungsweise als „jüngere Brüder“ eingeordnete Mitglieder verantwortlich sein kann.
Innerhalb der symbolischen Familienstruktur können Mitglieder als ältere beziehungsweise jüngere Brüder betrachtet werden. Alter allein entscheidet dabei nicht zwingend über den Rang. Ein älterer Mann kann durchaus einem jüngeren Mitglied unterstehen, wenn dieses innerhalb der Organisation höher positioniert ist.
Am unteren Ende stehen Mitglieder, die erst wenig Einfluss besitzen. Sie erledigen Botengänge, begleiten ranghöhere Mitglieder, übernehmen kleinere Aufgaben und müssen sich zunächst innerhalb der Organisation beweisen.
Der Einstieg erfolgt vielmehr über Kontakte und persönliche Beziehungen. Ein Charakter könnte beispielsweise bereits Menschen aus diesem Umfeld kennen, über Freunde oder Verwandte hineingeraten oder aufgrund eigener krimineller Aktivitäten Aufmerksamkeit erregen. Andere könnten gezielt die Nähe einer Organisation suchen.
Die Gründe dafür können vollkommen unterschiedlich sein:
Geld. Schutz. Macht. Anerkennung. Familiäre Verbindungen. Schulden. Perspektivlosigkeit. Loyalität gegenüber einer bestimmten Person. Oder schlicht eine Reihe schlechter Entscheidungen.
Traditionell besitzt das gemeinsame Trinken von Sake eine besondere Bedeutung. Beim sogenannten Sakazuki-Ritual wird durch das gemeinsame Trinken eine symbolische Beziehung zwischen zwei Personen geschaffen oder bestätigt. Innerhalb der Yakuza kann dies insbesondere die Bindung zwischen einem Oyabun und seinem Kobun symbolisieren. Damit wird aus einer rein geschäftlichen Beziehung sinnbildlich eine familiäre Verbindung.
Großflächige traditionelle Tätowierungen gehören wohl zu den bekanntesten visuellen Merkmalen der Yakuza. Diese Irezumi können sich über Rücken, Brust, Arme und Beine erstrecken und Motive wie Drachen, Koi, Tiger, Schlangen, Blumen, buddhistische Figuren oder Gestalten aus japanischen Legenden zeigen.
Historisch wurden solche Tätowierungen teilweise aufwändig von Hand angefertigt. Doch nicht jeder Yakuza muss tätowiert sein.
Ein weiteres bekanntes Ritual ist das Yubitsume (指詰め). Dabei wird als Form der Entschuldigung oder Wiedergutmachung ein Teil des kleinen Fingers abgetrennt und einem Vorgesetzten übergeben. Historisch hatte dies neben seiner symbolischen Bedeutung auch einen praktischen Hintergrund: Eine beschädigte Hand konnte den Umgang mit einem Schwert erschweren und machte die betroffene Person stärker von ihrer Gruppe abhängig.
Die wirtschaftlichen Aktivitäten unterscheiden sich erheblich zwischen Organisationen. Traditionell und gegenwärtig können Mitglieder und mit ihnen verbundene Personen beispielsweise mit Erpressung, Betrug, illegalem Glücksspiel, Drogenhandel oder anderen Formen organisierter Kriminalität in Verbindung stehen.
Besonders wichtig ist jedoch eine andere Seite:
Illegale und legale Wirtschaft können sich überschneiden. Kriminelle Organisationen können versuchen, scheinbar gewöhnliche Unternehmen oder Geschäftsbeziehungen zur Erwirtschaftung oder Verschleierung von Einnahmen zu nutzen.
Ein Restaurantbesitzer muss deshalb nicht selbst Mitglied sein, nur weil Personen aus diesem Umfeld regelmäßig in seinem Restaurant erscheinen. Ebenso muss der Geschäftsführer eines Unternehmens nicht zwingend wissen, mit wem einer seiner Geschäftspartner tatsächlich verbunden ist.
Grundsätzlich ja.
Eine Mitgliedschaft ist kein übernatürlicher Vertrag, aus dem niemand jemals entkommen kann.
Es existieren sogar Unterstützungsmaßnahmen, die ehemaligen Mitgliedern helfen sollen, sich von ihren Organisationen zu lösen und wieder in die Gesellschaft einzugliedern.
Einfach ist dieser Schritt trotzdem nicht. Nach Jahren innerhalb einer kriminellen Organisation können soziale Kontakte, berufliche Fähigkeiten und das gesamte persönliche Umfeld mit dieser Welt verbunden sein. Hinzu kommt das gesellschaftliche Misstrauen gegenüber ehemaligen Mitgliedern.
Die klassische Yakuza-Welt ist stark männlich geprägt.
Frauen können dennoch über Partnerschaften, Familie, Geschäfte oder andere Beziehungen mit einer Organisation verbunden sein. Besonders die Ehefrau eines hochrangigen Mitglieds kann innerhalb des sozialen Umfeldes einer Gruppe eine besondere Stellung besitzen.
Eine Frau muss keinen offiziellen Rang besitzen, um ausgesprochen einflussreich zu sein.
Die Tochter eines Oyabun könnte beispielsweise praktisch keine formale Macht besitzen – und trotzdem seit ihrer Kindheit jeden wichtigen Namen kennen.
Oder eine Anwältin könnte regelmäßig Mitglieder derselben Organisation vertreten, ohne jemals selbst Teil davon geworden zu sein.
Die Yakuza existiert nicht außerhalb des japanischen Rechtssystems.
Die Polizei geht gegen illegale Aktivitäten der Bōryokudan vor und versucht gleichzeitig, ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss einzuschränken.
Bestimmte Gruppen können nach dem japanischen Anti-Bōryokudan-Gesetz offiziell als designated Bōryokudan eingestuft werden. Für Mitglieder solcher Organisationen gelten besondere Einschränkungen hinsichtlich bestimmter Einschüchterungs-, Forderungs- und Rekrutierungspraktiken.
Eine Zugehörigkeit bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Person jederzeit festgenommen werden kann.
Ein konkretes Verbrechen muss weiterhin entsprechend verfolgt werden.
Die klassische Yakuza befindet sich seit Jahren unter erheblichem Druck.
Die Zahl der Mitglieder und mit ihnen verbundenen Personen ist über einen langen Zeitraum stark zurückgegangen. Gleichzeitig treten andere Formen organisierter Kriminalität stärker in Erscheinung.
Besonders sogenannte Tokuryū – lose organisierte und teilweise anonyme kriminelle Gruppen – unterscheiden sich von den traditionellen Yakuza-Strukturen. Statt jahrzehntelanger Zugehörigkeit, klar erkennbarer Organisation und festen Hierarchien können Personen lediglich für einzelne Straftaten zusammengebracht werden. Das verändert auch die Unterwelt Tokyos.
Heute stehen diese Organisationen unter starkem staatlichem und gesellschaftlichem Druck. Ihre Mitgliederzahlen sind über Jahrzehnte erheblich zurückgegangen und klassische Yakuza-Gruppen konkurrieren zunehmend mit weniger streng organisierten kriminellen Netzwerken.
Keine einzelne Organisation
Die Yakuza ist keine einzelne große Organisation mit einem gemeinsamen Anführer. Stattdessen existieren verschiedene voneinander unabhängige Syndikate und deren zahlreiche Unterorganisationen.
Zu den bekannten großen Gruppierungen gehören beispielsweise die Yamaguchi-gumi, Sumiyoshi-kai und Inagawa-kai. Gerade letztere beide besitzen traditionell starke Verbindungen in den Großraum Tokyo.
Innerhalb eines großen Syndikats können wiederum zahlreiche kleinere Gruppen existieren. Eine Person, die zur Yakuza gehört, ist deshalb normalerweise nicht einfach nur „Mitglied der Yakuza“, sondern gehört einer konkreten Organisation beziehungsweise einer ihrer Untergruppen an.
Diese Gruppen können miteinander kooperieren, Geschäfte untereinander vereinbaren oder miteinander konkurrieren.
Die Familie
Traditionelle Yakuza-Strukturen orientieren sich stark an familiären Beziehungen, müssen jedoch biologisch keine sein.
Besonders wichtig ist dabei das Prinzip von:
Oyabun (親分) – sinngemäß die Eltern- beziehungsweise Vaterfigur
Kobun (子分) – sinngemäß das Kind beziehungsweise der Untergebene
Zwischen beiden besteht eine hierarchische Beziehung. Der Kobun schuldet seinem Vorgesetzten Loyalität und Gehorsam, während vom Oyabun wiederum Schutz und Führung erwartet werden. Dadurch entsteht eine künstliche Familie.
Mitglieder können sich untereinander als Brüder verstehen, während ranghöhere Personen symbolisch die Rolle älterer Familienmitglieder übernehmen.
Diese Vorstellung sollte jedoch nicht romantisiert werden: Es handelt sich weiterhin um eine kriminelle Hierarchie. Loyalität entsteht nicht ausschließlich aus Freundschaft oder Zuneigung, sondern ebenso aus Macht, Abhängigkeit und gegenseitigem Nutzen.
Hierarchie
Nicht jede Organisation verwendet exakt dieselben Titel oder besitzt denselben Aufbau.
Oyabun / Kumichō
Der Kumichō (組長) steht an der Spitze einer Organisation. Er entscheidet über wichtige Geschäfte, Beziehungen zu anderen Gruppen und die grundsätzliche Ausrichtung seiner Organisation.
Dabei muss er keineswegs selbst jeden Auftrag erteilen oder persönlich an illegalen Geschäften teilnehmen. Je größer eine Organisation ist, desto mehr Ebenen können zwischen ihrer Führung und den gewöhnlichen Mitgliedern liegen.
Wakagashira
Der Wakagashira (若頭) gehört zu den wichtigsten Personen unmittelbar unterhalb des Oberhauptes und kann vereinfacht als eine Art Stellvertreter betrachtet werden. Er übernimmt einen großen Teil der praktischen Führung und koordiniert untergeordnete Mitglieder und Gruppen.
Shateigashira
Eine weitere ranghohe Position kann der Shateigashira (舎弟頭) darstellen, der innerhalb bestimmter Organisationsstrukturen für andere hochrangige beziehungsweise als „jüngere Brüder“ eingeordnete Mitglieder verantwortlich sein kann.
Kyōdai und Shatei
Innerhalb der symbolischen Familienstruktur können Mitglieder als ältere beziehungsweise jüngere Brüder betrachtet werden. Alter allein entscheidet dabei nicht zwingend über den Rang. Ein älterer Mann kann durchaus einem jüngeren Mitglied unterstehen, wenn dieses innerhalb der Organisation höher positioniert ist.
Junge und niedrigere Mitglieder
Am unteren Ende stehen Mitglieder, die erst wenig Einfluss besitzen. Sie erledigen Botengänge, begleiten ranghöhere Mitglieder, übernehmen kleinere Aufgaben und müssen sich zunächst innerhalb der Organisation beweisen.
Wie wird man Yakuza?
Der Einstieg erfolgt vielmehr über Kontakte und persönliche Beziehungen. Ein Charakter könnte beispielsweise bereits Menschen aus diesem Umfeld kennen, über Freunde oder Verwandte hineingeraten oder aufgrund eigener krimineller Aktivitäten Aufmerksamkeit erregen. Andere könnten gezielt die Nähe einer Organisation suchen.
Die Gründe dafür können vollkommen unterschiedlich sein:
Geld. Schutz. Macht. Anerkennung. Familiäre Verbindungen. Schulden. Perspektivlosigkeit. Loyalität gegenüber einer bestimmten Person. Oder schlicht eine Reihe schlechter Entscheidungen.
Sakazuki – eine symbolische Verbindung
Traditionell besitzt das gemeinsame Trinken von Sake eine besondere Bedeutung. Beim sogenannten Sakazuki-Ritual wird durch das gemeinsame Trinken eine symbolische Beziehung zwischen zwei Personen geschaffen oder bestätigt. Innerhalb der Yakuza kann dies insbesondere die Bindung zwischen einem Oyabun und seinem Kobun symbolisieren. Damit wird aus einer rein geschäftlichen Beziehung sinnbildlich eine familiäre Verbindung.
Irezumi – Tätowierungen
Großflächige traditionelle Tätowierungen gehören wohl zu den bekanntesten visuellen Merkmalen der Yakuza. Diese Irezumi können sich über Rücken, Brust, Arme und Beine erstrecken und Motive wie Drachen, Koi, Tiger, Schlangen, Blumen, buddhistische Figuren oder Gestalten aus japanischen Legenden zeigen.
Historisch wurden solche Tätowierungen teilweise aufwändig von Hand angefertigt. Doch nicht jeder Yakuza muss tätowiert sein.
Yubitsume – das Abtrennen eines Fingers
Ein weiteres bekanntes Ritual ist das Yubitsume (指詰め). Dabei wird als Form der Entschuldigung oder Wiedergutmachung ein Teil des kleinen Fingers abgetrennt und einem Vorgesetzten übergeben. Historisch hatte dies neben seiner symbolischen Bedeutung auch einen praktischen Hintergrund: Eine beschädigte Hand konnte den Umgang mit einem Schwert erschweren und machte die betroffene Person stärker von ihrer Gruppe abhängig.
Womit verdient die Yakuza ihr Geld?
Die wirtschaftlichen Aktivitäten unterscheiden sich erheblich zwischen Organisationen. Traditionell und gegenwärtig können Mitglieder und mit ihnen verbundene Personen beispielsweise mit Erpressung, Betrug, illegalem Glücksspiel, Drogenhandel oder anderen Formen organisierter Kriminalität in Verbindung stehen.
Besonders wichtig ist jedoch eine andere Seite:
Illegale und legale Wirtschaft können sich überschneiden. Kriminelle Organisationen können versuchen, scheinbar gewöhnliche Unternehmen oder Geschäftsbeziehungen zur Erwirtschaftung oder Verschleierung von Einnahmen zu nutzen.
Ein Restaurantbesitzer muss deshalb nicht selbst Mitglied sein, nur weil Personen aus diesem Umfeld regelmäßig in seinem Restaurant erscheinen. Ebenso muss der Geschäftsführer eines Unternehmens nicht zwingend wissen, mit wem einer seiner Geschäftspartner tatsächlich verbunden ist.
Kann man die Yakuza verlassen?
Grundsätzlich ja.
Eine Mitgliedschaft ist kein übernatürlicher Vertrag, aus dem niemand jemals entkommen kann.
Es existieren sogar Unterstützungsmaßnahmen, die ehemaligen Mitgliedern helfen sollen, sich von ihren Organisationen zu lösen und wieder in die Gesellschaft einzugliedern.
Einfach ist dieser Schritt trotzdem nicht. Nach Jahren innerhalb einer kriminellen Organisation können soziale Kontakte, berufliche Fähigkeiten und das gesamte persönliche Umfeld mit dieser Welt verbunden sein. Hinzu kommt das gesellschaftliche Misstrauen gegenüber ehemaligen Mitgliedern.
Frauen und die Yakuza
Die klassische Yakuza-Welt ist stark männlich geprägt.
Frauen können dennoch über Partnerschaften, Familie, Geschäfte oder andere Beziehungen mit einer Organisation verbunden sein. Besonders die Ehefrau eines hochrangigen Mitglieds kann innerhalb des sozialen Umfeldes einer Gruppe eine besondere Stellung besitzen.
Eine Frau muss keinen offiziellen Rang besitzen, um ausgesprochen einflussreich zu sein.
Die Tochter eines Oyabun könnte beispielsweise praktisch keine formale Macht besitzen – und trotzdem seit ihrer Kindheit jeden wichtigen Namen kennen.
Oder eine Anwältin könnte regelmäßig Mitglieder derselben Organisation vertreten, ohne jemals selbst Teil davon geworden zu sein.
Polizei und Yakuza
Die Yakuza existiert nicht außerhalb des japanischen Rechtssystems.
Die Polizei geht gegen illegale Aktivitäten der Bōryokudan vor und versucht gleichzeitig, ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss einzuschränken.
Bestimmte Gruppen können nach dem japanischen Anti-Bōryokudan-Gesetz offiziell als designated Bōryokudan eingestuft werden. Für Mitglieder solcher Organisationen gelten besondere Einschränkungen hinsichtlich bestimmter Einschüchterungs-, Forderungs- und Rekrutierungspraktiken.
Eine Zugehörigkeit bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Person jederzeit festgenommen werden kann.
Ein konkretes Verbrechen muss weiterhin entsprechend verfolgt werden.
Die Yakuza verliert an Bedeutung
Die klassische Yakuza befindet sich seit Jahren unter erheblichem Druck.
Die Zahl der Mitglieder und mit ihnen verbundenen Personen ist über einen langen Zeitraum stark zurückgegangen. Gleichzeitig treten andere Formen organisierter Kriminalität stärker in Erscheinung.
Besonders sogenannte Tokuryū – lose organisierte und teilweise anonyme kriminelle Gruppen – unterscheiden sich von den traditionellen Yakuza-Strukturen. Statt jahrzehntelanger Zugehörigkeit, klar erkennbarer Organisation und festen Hierarchien können Personen lediglich für einzelne Straftaten zusammengebracht werden. Das verändert auch die Unterwelt Tokyos.